2009

Wurde unsere jahrelange Forschung von allen Seiten untersucht. Das bedeutet wir haben unsere Software und unsere Trainingsprogramme in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt und testen lassen. Die Ergebnisse haben selbst uns überrascht.

Jörn Pregel, PD Dr. habil. René Schwesig, Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Manfred Riedel

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medien, Kommunikation & Sport, Department Sportwissenschaft
„AUSWIRKUNGEN VON SUBJEKTIV UND OBJEKTIV GESTEUERTEM AUSDAUERTRAINING AUF DIE AUSDAUERLEISTUNGSFÄHIGKEIT BEI UNTRAINIERTEN SPORTANFÄNGERN – EINE LÄNGSSCHNITTSTUDIE“
Schon seit Jahrzehnten wird über die ideale Methode zur Trainingssteuerung im gesundheitsorientierten Ausdauersport diskutiert. Oft wird das subjektive Empfinden des Sportlers als ausreichend angesehen und von einer Vielzahl der Freizeitsportler auch angewendet. Herzfrequenzgesteuertes Training soll mit Hilfe zahlreicher Formeln einfach realisierbar sein. Um auch die metabolische Beanspruchung des Organismus ermitteln zu können wird die Leistungsdiagnostik mittels Laktatstufentest empfohlen. Diese Methode war bis jetzt hauptsächlich Leistungs- und wettkampforientierten Hobbysportlern vorbehalten, da die Durchführung sehr aufwändig und die Auswertung bzw. Trainingsbereichsableitung nur durch geschultes und erfahrenes Fachpersonal möglich war. Mit wesp®-analysis steht nun eine vollautomatische Lösung zur Verfügung, die in dieser Studie auf ihre Funktionalität getestet wurde.
Hierzu trainierten 51 untrainierte Probanden, randomisiert auf zwei Gruppen verteilt, über acht Wochen ein bis dreimal wöchentlich über 45 bis 60 Minuten auf dem Radergometer. Die Versuchsgruppe (n=26; Alter: Mittelwert: 29,25 Jahre, Standardabweichung ±11,08; Größe: 170,81 cm, ±9,78; Gewicht 74,8 kg, ±16,82; BMI 25,47, ±4,40; Körperfettanteil 26,55%, ±7,54) trainierte in den individuellen, mit wesp®-analysis berechneten Fettstoffwechselbereichen, die Kontrollgruppe (n=25; 27,24 Jahre (±6,86); 174,24 cm (±9,99); 77,78 kg (±15,72); 25,65 (±4,85); 26,02 % (±10,20)) nach subjektivem Empfinden, mit der Vorgabe die Trainingszeit durchzuhalten und sich während des Trainings unterhalten zu können.
Vor Untersuchungsbeginn und nach der Intervention wurde die aerobe Leistungsfähigkeit (Leistung bei Laktat 2 mmol/l) und die Körperzusammensetzung der Probanden mittels bioelektrischer Impedanzanalyse erfasst. Des weiteren wurde das subjektive Anstrengungsempfinden erfragt und die Veränderung der psychischen Befindlichkeit über die Dauer der Trainingseinheit ermittelt.
In der Versuchsgruppe verbesserten alle Teilnehmer ihre Leistung an der 2 mmol/l-Schwelle (Prä: 93,29 Watt (±27,98); Post: 124,99 Watt (±28,07). Im Mittel bedeutete das eine Leistungssteigerung um über 39%. In der Kontrollgruppe fielen die Werte ähnlich deutlich aus (95,24% der Probanden verbesserten sich), die durchschnittliche Leistungssteigerung betrug hier 41,07% (Prä: 106,94 Watt (±45,54); Post: 139,75 Watt (±44,35). Es bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Das Körpergewicht reduzierte sich über den Untersuchungszeitraum signifikant (VG: -0,5 kg; KG: -1,04 kg). Ebenso verhält es sich mit dem relativen Körperfettanteil. In der Versuchsgruppe reduzierte sich dieser um 1,35% von 24,08% (±6,74) auf 22,73% (±6,40), in der Kontrollgruppe um 1,24 Prozentpunkte von 26,42% (±10,45) auf 25,17% (±10,46).
Bei der Körperzellmasse (BCM), der stoffwechselaktiven Substanz, fallen gegenläufige Tendenzen auf. In der Kontrollgruppe verringerte sie sich um 0,17 kg (±0,64), in der Versuchsgruppe steigerte sie sich hinge-gen um 0,14 kg (±0,70). Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit die BCM zu erhöhen oder zumindest zu erhalten in der Versuchsgruppe um 72% höher lag als in der Kontrollgruppe. Fast drei Viertel (72,22%) der Probanden der Versuchsgruppe steigerten ihre Körperzellmasse oder hielten den Ausgangswert. In der Kontrollgruppe waren es lediglich 42,11%.
Hervorzuheben ist die Tatsache, dass die Teilnehmer der Versuchsgruppe das Training weniger anstrengender empfanden als die der Kontrollgruppe. Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das Training dauerhaft und regelmäßig durchgeführt wird größer.
Das mit wesp®-analysis gesteuerte Ausdauertraining wirkt sich sehr positiv auf die aerobe Ausdauerleis-tungsfähigkeit aus. Durch die individuellen Fettstoffwechselbereiche hat es günstigere Effekte auf die Körperzusammensetzung als ein subjektiv gesteuertes Training und eignet sich somit hervorragend für die gesunde Gewichtsreduktion. Die Tatsache, dass 82,43% der Trainingseinheiten der Versuchsgruppe in den vorgegebenen Bereichen absolviert wurden, lässt darauf schließen, dass diese Art der Trainingssteuerung für den Sportler sehr einfach anwendbar ist.

Madeleine Schmidt, Dr. Gudrun Beckmann; PD Dr. habil. René Schwesig
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Medien, Kommunikation & Sport, Department Sportwissenschaft
„EINFLUSS EINES HERZFREQUENZGESTEUERTEN TRAININGS AUF PHYSIOLOGISCHE UND PSYCHOLOGISCHE PARAMETER BEI SCHÜLERN IM RAHMEN DER SCHULSPORTLICHEN GESUNDHEITSERZIEHUNG“ – EINE LÄNGSSCHNITTSTUDIE.
Übergewicht und Fettleibigkeit sowie damit einhergehender Einschränkungen der Leistungsfähigkeit bei großen Teilen der Bevölkerung belasten zunehmend das deutsche Gesundheitssystem. Die Diskussion um Lösungsmöglichkeiten, insbesondere im Zuge der Umstrukturierung des deutschen Gesundheitssystems mit Einführung des Gesundheitsfonds und damit des Einheitssatzes der gesetzlichen Krankenversicherungen geht in die nächste Runde. Wenige trauen dabei dem Sportunterricht in der Schule eine tragende Rolle zur Lösung dieses Problems zu. Schon länger wird diskutiert, ob im Rahmen des regulären Unterrichts eine Gesundheitswirkung, respektive Trainingswirkung erzielt werden kann. Das Kennenlernen sowie die praktische Erprobung eines fitnessorientierten Kardiotrainings mit verschiedenen Bewegungsformen und -bereichen zur Entwicklung der Ausdauer und deren Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, das korrekte Ermitteln der Herzfrequenz, unterschiedlicher Trainingsmethoden und das Steuern der Belastung sind bereits Bestandteil der Lehrpläne des Gymnasiums. In der Schulpraxis scheint nach Meinung vieler der praktizierenden Lehrer diese Kenntnisvermittlung im Widerspruch zur Durchführung eines Trainings mit physiologischer Wirkung zu stehen.
Bei dieser Längsschnittstudie wird untersucht, inwieweit bei einer siebenwöchigen herzfrequenzgesteuerten Kursintervention im Rahmen der schulsportlichen Gesundheitserziehung anstelle des konventionellen Schulsportunterrichts Veränderungen physiologischer und psychischer Parameter erzielt werden können. Wichtiges Augenmerk wird dabei zudem auf die Kenntnisvermittlung und persönlichen Erfahrungen der Schüler gelegt.
An der Studie nahmen 16 Schüler (n=16; Alter 16,65 (±0,41) Jahre; Größe 172 (±0,68) cm; Gewicht 66,99 (±13,93) kg; BMI 22,6 (±4,63)), davon acht Mädchen und acht Jungen der 10. Klassenstufe eines Gymnasiums teil. Während der siebenwöchigen Kursintervention wurden entsprechend des Herz-Kreislauf-Präventionskurses CARDIOAKTIV® 14 herzfrequenzgesteuerte Trainingseinheiten auf dem Radergometer (Indoor Cycling Ergometer „Teambike 800“ der Firma Precor®) absolviert. Die mittlere Trainingszeit betrug dabei 51min. 79 % (11 von 14) der Trainingseinheiten wurden im GA1-Bereich (Fettstoffwechselbereich) absolviert. In 3 Einheiten wurde bei höherer Intensität und unter Nutzung anderer Methoden trainiert. Dabei wurden Kenntnisse zu physiologischen Grundlagen, wie Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System sowie zu sportwissenschaftlichen Grundlagen, wie Belastung und Beanspruchung, Anpassungsmechanismen (Adaptation), Trainingsprinzipien, Trainingsplanung und -steuerung, Trainingsbereichen und Trainingsmethodik vermittelt.
Jeweils vor und nach der Intervention wurde das Körpergewicht, der Ruheenergieumsatz mittels indirekter Kalorimetrie (fitmate® pro der Firma COSMED®) und die Herzfrequenz-Trainingsbereiche mittels Laktatdiagnostik (wesp®-analysis) bestimmt. Zur Überprüfung der Kenntnisvermittlung wurde eine Leistungskontrolle im Anschluss an die Kursintervention abgenommen. Die Erfassung der Schülermeinungen erfolgte mittels Fragebogen.
Bezüglich des Körpergewichts der Schüler zeigte sich keine Veränderung (prä: 66,99 (±13,93) kg; post: 66,88 (±14,01) kg). Demgegenüber stieg der Ruheenergieumsatz signifikant (p<0,01) von 2038 (±390) kcal/d auf 2339 (±534) kcal/d. Die Ruheherzfrequenz der Schüler senkte sich signifikant (p<0,05), von durchschnittlich 84 Schlägen pro Minute (±11 min-1) auf durchschnittlich 77 Schläge pro Minute (±12 min-1).
Unter Belastung zeigt sich für die mittleren Herzfrequenzen bei Belastungsintensitäten von 40, 70, 100, 130, 160 und 190W signifikante (p<0,01) Absenkungen. Bei fixen metabolischen Beanspruchungshöhen mit Laktatkonzentrationen von 3, 4 und 6 mmol/l zeigen sich signifikante (p<0,01), bei 2mmol/l signifikante (p<0,05) Steigerungen der Leistungsfähigkeit. Im Einzelfall lag die maximale Leistungssteigerung bei 97% über der Ausgangsleistung. Die Ergebnisse der schriftlichen Leistungskontrolle lagen im Mittel bei einer Note von 1,56 (±0,96). Die Häufigkeitsverteilung zeigt dabei die höchste Häufigkeit mit einer Anzahl von 11 und 68,8% für die Note eins. Die Note zwei und drei gab es je zweimal mit einem Anteil von 12,5%.
Die Note vier war einmal mit einem Anteil von 6,3% vertreten. Die Schülerbefragung ergab ein klares Ergebnis zu Gunsten der Kursintervention. 93,75% aller Schüler bewerteten das herzfrequenzgesteuerte Training als positiver gegenüber dem klassischen Schulsport. Mit 73,3% aller Schüler fiel das Ergebnis bezüglich der Qualität und Quantität der Kenntnisvermittlung der Kursintervention gegenüber dem klassischen Schulsport besonders deutlich aus. Weitere Aussagen mit einem prozentualen Anteil von 40 % aller Schüler zeigte sich gleichermaßen bei der Bewertung der Individualität der Belastung, der Motivation zum außerschulischen Sporttreiben und dem Gefallen der Kursintervention.
Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass im Schulsport mit sinnvollen Steuermechanismen wie beispielsweise dem Herz-Kreislauf-Präventionskurs CARDIOAKTIV® sowohl signifikante Verbesserungen vieler physiologischer Parameter als auch der Leistungsfähigkeit erreicht werden und damit eine Vielzahl an Gesundheitsressourcen geschaffen werden können. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass ein solches Training nicht zwangsläufig einer Wissensvermittlung entgegen steht, sondern sich mit geeignetem methodisch-didaktischen Vorgehen bestens integrieren lässt. Zudem lässt sich die Motivation der Schüler für ein gesundheitsbewusstes Sportverhalten auch außerhalb des Schulsports fördern und somit die Nachhaltigkeit gewährleisten.

Diagnostik der Ausdauerleistungsfähigkeit im Handball
Diagnostic tools for endurance testing in handball players
René Schwesig1, Heiko Weirauch2, Patrick Eder2, Stephan Becker3,
Siegfried Leuchte1

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Department Sportwissenschaft
2 wesp GmbH, Merseburg
3 III. Orthopädische Abteilung, Orthopädisches Spital Speising (Wien)

Korrespondenzadresse
PD Dr. phil. habil. René Schwesig
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Department Sportwissenschaft
06099 Halle / Saale
Tel.: 0345/5524450
Fax: 0345/5527054
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zusammenfassung
Hintergrund: Die Belastungsintensität im Handball, insbesondere auf internationalem Niveau, hat sich in den letzten Jahren u.a. aufgrund von Regeländerungen deutlich erhöht. Deshalb kommt einer wissenschaftlich fundierten Trainingsmethodik und sportmedizinischen Betreuung eine wachsende Bedeutung zu. Zur Ausdauerleistungsfähigkeit sowie zur sportartspezifischen Diagnostik im Handball liegen jedoch nur wenige Daten bzw. suffiziente Tests und Methoden vor.
Fragestellung: Ziel der quasiexperimentellen Querschnittsuntersuchung war es, die Ausdauerleistungsfähigkeit von Handballern (Regionalliga) allgemein und sportart-spezifisch zu ermitteln. Damit verbunden war die Entwicklung und Erprobung eines neuen handballspezifischen Komplextests (HBKT) sowie die Anwendung einer neuen Laktatanalysesoftware wesp®-analysis im Rahmen der Laufbandleistungs- diagnostik (LD).
Methodik: 16 semiprofessionelle Handballer (Durchschnittsalter: 27.5  6.78 Jahre) einer Regionalligahandballmannschaft wurden mittels LD und HBKT an zwei verschiedenen Tagen (Abstand: 72 Stunden) untersucht. Erhoben wurden die Parameter Laktat und Herzfrequenz (LD/HBKT) sowie die Zeit und die Fehlerrate (HBKT).
Ergebnisse & Diskussion: Die Handballer zeigten vor allem im Grundlagen- ausdauerbereich erhebliche Defizite. Auffällig ist das große Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft, insbesondere im unteren Intensitätsbereich (≤ 3 mmol/l). Während die maximalen Herzfrequenzen in der LD (192 ± 8.67 min-1) signifikant (p<0.001; 2=0.794) höher waren als im HBKT (180 ± 9.23 min-1), verhält es sich bei den maximalen Laktatkonzentrationen genau umgekehrt (LD: 10.1 ± 2.91 mmol/l; HBKT: 12.8 ± 1.99 mmol/l; p<0.001, 2=0.644). Zwischen der maximalen Lauf- geschwindigkeit (LD) und der Gesamtleistung im HBKT fand sich ein mittlerer Zusammenhang (r=-0.566).
Schlussfolgerung & Ausblick: Aus den Untersuchungsergebnissen leitet sich die Notwendigkeit eines individuellen, herzfrequenzgesteuerten Grundlagenausdauer- trainings ab. Die Korrelationen zwischen den Tests sind ein weiteres Indiz für die große Bedeutung der Ausdauerleistungsfähigkeit hinsichtlich der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit. Wünschenswert, im Interesse der Einordnung und Interpretation der Daten, wäre der Vergleich mit einer höherklassigen Handballmannschaft. HBKT und Laktatanalysesoftware wesp-analysis erwiesen sich als überaus praktikable Assessments.

Schlüsselwörter: Handball, Ausdauer, Leistungsdiagnostik

Abstract
Background: The physiological demands of handball players on international level has increased during the last years mainly due to rule changes. Therefore a scientific funded training method under sports medical supervision gets more and more important. Nevertheless any only limited data are available concerning adequate tests and methods on endurance and sports related assessment of physical performance in handball.
Objective: Goal of this experimental cross sectional study was to record the endurance of handball players (regional league) in general and related to their sport. This study was performed in conjunction with the development and testing of a new handball specific complexity test (HBKT) and the use of a new lactate analysis software wesp®-analysis during a treadmill test (TT).
Methods: 16 semi-professional handball players (mean age: 27.5  6.78 years) of a regional team were investigated with TT and HBKT on two different days (time delay 72h). The parameters lactate, heart rate (TT/HBKT) and the time and rate of faults in the HBKT were recorded.
Results: The players showed large deficits in basic endurance capacity. There was a great performance difference within the team, especially in the lower intensity regions (≤3 mmol/l). Whereas the maximal heart rate was significantly higher in the TT versus the HBKT (TT: 192 ± 8.67 min-1 versus HBKT: 180 ± 9.23 min-1; p<0.001; 2=0.794). The maximum lactate levels showed directly the opposite (10.1 ± 2.91 mmol/l for TT versus 12.8 ± 1.99 mmol/l for HBKT; p<0.001, 2=0.644). Maximal run velocity (TT) and general performance (HBKT) was related on a mean level (r=-0.566).
Conclusions: The results show the necessity of individual heart rate dependant basic endurance training. The correlation between the tests is a further sign for the significant importance of endurance capacity for sports performance. A comparison of these results to a higher level handball team would yield further information regarding interpretation and grading of the data. HBKT und lactate analysis software wesp-analysis showed to be practical assessment tools.

Key Words: Handball, endurance, assessment of physical performance

Einleitung
Das Tor-, Mal- und Korbspiel Handball hat, vor allem auf leistungssportlichem Niveau, in den letzten Jahren deutlich an Dynamik und Schnelligkeit gewonnen [12], weshalb einer wissenschaftlich fundierten Trainingsmethodik und sportmedizinischen Betreuung eine wachsende Bedeutung zukommt. Wesentlich dazu beigetragen hat die „schnelle Mitte“, eine Regeländerung in den 90er Jahren. Aus konditioneller Sicht hat sie zwei wesentliche Konsequenzen:
1. Die spielfreie Phase nach einem erfolgreichen Torwurf ist extrem gering und kann nicht mehr zur Kurzzeitregeneration genutzt werden.
2. Das Auswechseln von Angriffs- gegen Abwehrspezialisten ist aus taktischen Gründen auf ein bis zwei Spieler begrenzt.
Beides führt zu einer deutlichen Erhöhung der individuellen konditionellen Beanspruchung der Spieler.
Neben den konditionellen Komponenten beinhaltet die komplexe Spielfähigkeit zudem taktische (Individual-, Gruppen- und Mannschaftstaktik) und technische (Würfe, Finten, Dribbling etc.) Elemente [2]. Aus sportartspezifischer Perspektive, im Sinne der erfolgreichen Umsetzung des Spielgedankens, sind aus dem Bereich der konditionellen Fähigkeiten vor allem die Schnelligkeit und Schnellkraft zu nennen. Sie befähigen den Spieler bzw. die Spielerin, Würfe mit hoher Geschwindigkeit auszuführen, weit bzw. hoch zu springen (Sprungwurf), sich im Angriff in 1:1 Situationen durchzusetzen oder Tempogegenstöße zu laufen. Die meisten Tor entscheidenden Aktionen im Handball sind das Ergebnis kurzer, intensiver Belastungsphasen. Daher kommt insbesondere diesen Spielphasen eine hohe Bedeutung zu. Manchado et al. [8] ermittelten anhand der deutschen Frauennational- mannschaft während der Europameisterschaft 2004 im Mittel etwa 76 ± 10.2 intensive Phasen im Angriff mit einer mittleren Dauer von 5.72 ± 0.37 s. Die Einsatzzeit betrug 41.7 ± 5.1 min. Die mittlere Herzfrequenz lag bei 161 ± 3.3 S/min, die %Hfmax bei 87 ± 5.5%. Während des Spiels gemessene Laktatkonzentrationen zwischen 4 mmol/l und 9 mmol/l [3, 5] deuten auf eine hohe metabolische Beanspruchung während des Spiels hin.
Insgesamt lassen sich somit im modernen Handball hohe Anforderungen an die Energie liefernden Systeme beobachten. Erforderlich sind insbesondere eine hohe oxidative Leistungsfähigkeit (Grundlagenausdauer) und die Fähigkeit, wiederholte Sprint- und Schnellkraftbelastungen (Würfe, Sprünge) ohne Ermüdung (schnelle Kreatinphosphat-Resynthese und Laktat-Elimination) durchführen zu können [1].
Seit ca. 20 Jahren wird eine gut entwickelte Grundlagenausdauer in der Spielsportart Handball auf hohem internationalem Niveau eingefordert [8, 10], jedoch in der Praxis von den Verantwortlichen (Trainer/SpielerIn) zu selten berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass das sportartspezifische physiologische Beanspruchungsprofil im Handball bisher nicht systematisch untersucht wurde. Dies gilt vor allem für den zeitlichen Verlauf der Beanspruchungen im Wettkampf. Dadurch lassen sich praktisch kaum trainingswissenschaftlich begründete Empfehlungen für Belastungs- umfänge und –intensitäten, vor allem deren zeitliche Abfolge und Interaktion betreffend, ableiten. Damit konfundiert ist ein Forschungsdefizit seitens der sportartspezifischen Leistungsdiagnostik. Beanspruchungsparameter werden zumeist standardisiert-unspezifisch (z. B. Laufbandleistungsdiagnostik; Shuttle-Run- Test) oder nichtstandardisiert-spezifisch (z. B. im Handballspiel selbst) erhoben. Dadurch kann lediglich eine Aussage über den allgemeinen, nicht aber über den sportartspezifischen Leistungszustand gemacht werden.
Handballspezifische Tests, die sportartimmanente Handlungsfolgen enthalten, definierte Beanspruchungsparameter erfassen und ein hohes Maß an Standar- disierung und Praktikabilität aufweisen, liegen nicht bzw. nur ansatzweise [7] vor. Überdies fehlt es diesbezüglich an leistungs- bzw. spielklassenabhängigen Referenzdaten, die eine valide Einordnung und Interpretation der Testdaten ermöglichen.

Fragestellung
Ziel der quasiexperimentellen Querschnittsuntersuchung war es, die Ausdauer- leistungsfähigkeit von Handballern (Regionalliga) allgemein und sportartspezifisch zu ermitteln. Damit verbunden war die Entwicklung und Erprobung eines neuen handballspezifischen Komplextests (HBKT) sowie die Anwendung einer neuen Laktatanalysesoftware wesp®-analysis im Rahmen der Laufbandleistungsdiagnostik (LD).

Untersuchungsdesign
Untersuchungsstichprobe
An der Untersuchung, die als Querschnittsuntersuchung angelegt war, nahmen 16 Regionalligahandballer teil (Tab. 1). Zum Zeitpunkt der Untersuchung (Juli 2009) befanden sich die Spieler am Beginn der Vorbereitungsperiode (2. Trainingswoche) für die Saison 2009/2010.

Untersuchungsablauf
Die Untersuchung beinhaltete eine Laufbandleistungsdiagnostik (LD) sowie einen handballspezifischen Komplextests (HBKT). Die Tests wurden im Abstand von 72 Stunden durchgeführt. Der zeitliche Aufwand (inklusive Vor- und Nachbereitung) betrug ca. 35 min (LD) bzw. 20 min (HBKT).

Statistische Auswertung
Die statistische Datenanalyse erfolgte mit dem Programm SPSS für Windows 17.0. Deskriptiv wurden Minima, Maxima, Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet. Die Prüfung von Korrelationen zwischen den Tests bzw. Parametern erfolgte in Abhängigkeit vom Skalenniveau bivariat (zweiseitig) nach Pearson (metrisch) oder Spearman (ordinal). Mittelwertunterschiede wurden mittels Allgemeiner Linearer Modelle varianzanalytisch geprüft, wobei für die Haupteffekte die Parameter des Greenhouse-Geisser Tests (p, 2) angegeben werden.

Laufbandleistungsdiagnostik (LD)
Der Laktatstufentest fand auf dem Laufband 966i der Firma precor® statt. Die Belastung wurde, ausgehend von einer Startbelastung von 1,72 m/s, alle drei Minuten um 0,5 m/s bis zur subjektiven Ausbelastung (weitere Abbruchkriterien: Unwohlsein des Probanden, verminderte Bewegungskoordination) gesteigert. Am Ende jeder Belastungsstufe wurden die Herzfrequenz (Herzfrequenzmonitor Modell t6 der Firma Suunto®) und die Laktatkonzentration (Lactate Pro LT 1710 der Firma ARKRAY®) ermittelt. Die Unterbrechung des Tests für die Kapillarblutabnahme am Ohrläppchen dauerte jeweils 30 s zwischen den Stufen. Die Erholungsphase fand im Gehen (E0-E4: 4,5 km/h) und Sitzen (E4-E6) statt. Die Auswertung der ermittelten Laktat- und Herzfrequenzwerte erfolgte mit Hilfe der Auswertungssoftware wesp®-analysis. Die Laktat-Leistungs-Kurve und die ermittelten Trainingsbereiche werden hierbei automatisiert ausgegeben. Bei der Berechnung der Trainingsbereiche und Schwellenwerte IAS und IANS wird die individuelle Laktatkinetik berücksichtigt und die Laktatverlaufskurve analysiert. Die Bestimmung der Schwellenwerte IAS und IANS richtet sich zum Teil nach dem Dickhuth Modell, basiert aber im Wesentlichen auf dem Verhältnis von Laktat und Leistung.
Dieser Auswertungsstandard gewährleistet eine 100%ige Inter-Observer Reliabilität, ohne Ergebnisbeeinflussung durch exogene Faktoren. Die Berechnung der Regressionsfunktion für den Parameter Laktat sowie die Ableitung der Trainingsbereiche erfolgt bis zum Polynom fünften Grades (Parameter Herzfrequenz: Polynom zweiten Grades).

Handballspezifischer Komplextest (HBKT)
Der HBKT wird zweimal hintereinander durchgeführt. Er besteht aus folgenden Handlungsfolgen:
1. Der Spieler startet in Höhe der 7 m Linie und führt jeweils vier Seitwärtsbewe- gungen nach links und rechts aus. Er berührt dabei, die im Abstand von 5 m befindlichen Medizinbälle (4 kg).
2. 5 Schlusssprünge über 5 Hocker (Höhe: 40 cm; Breite: 50 cm), die im Abstand von 1 m angeordnet sind.
3. Rolle vorwärts auf Matte
4. Slalomlauf ohne Ball (5 Ständer im Abstand von 2 m)
5. 10 Schlagwürfe mit Stemmschritt mit Medizinball (1 kg) gegen die Wand (Abstand zur Wand: 3 m). Der Ball darf nicht den Boden berühren!
6. 9 Abwehrhandlungen zwischen 6 und 9 m, wobei die Markierungen (Pylonen) zu umlaufen sind und sich die Arme ständig in Bereitschaftsstellung (90°Winkel im Schulter- und Ellbogengelenk) befinden. Der Spieler bewegt sich von der Position 5 (Kreis rechts) zur Position 7 (Kreis links).
7. 10 Liegestütze, deren Ausführungsqualität vom Untersuchungsleiter bewertet wird (schlechte Ausführung = Wiederholung).
8. Sprint entlang der Seitenlinie
9. Ballaufnahme in Höhe des Schnittpunktes zwischen Seitenlinie und Toraus- linie, Dribbling um Ständer am Anwurfpunkt an der Mittellinie, Zuspiel, Ballannahme und:
a) Schlagwurf mit Stemmschritt in rechtes äußeres Tordrittel,
b) Sprungwurf hoch in linkes äußeres Tordrittel,
c) Durchbruchfinte zur Wurfhand mit anschließendem Sprungwurf hoch in rechtes äußeres Tordrittel.
10. Sprint zur Startposition und Beginn der 2. Runde bzw. Sprint zum Anwurfpunkt an der Mittellinie (Testende).

Messparameter:
1. Zeit (Pro Fehlwurf und technischen Fehler jeweils 3 s Strafzeit)
2. Laktat (Ruhe, E 0, E 2, E 6 und E 10)
3. Herzfrequenz (Ruhe, Ende Runde 1, E 0, E 2, E 6 und E 10)
Die Erholungsphase (E0 bis E10) fand im Sitzen statt.

Ergebnisse
Laufbandleistungsdiagnostik (LD)
Acht Spieler (50%) wiesen bereits bei einer Geschwindigkeit von 6,2 km/h (1. Stufe in LD) einen Laktatwert von über 2 mmol/l (bei normalen Ruhelaktatwerten) auf. Die individuellen maximalen Herzfrequenzen der Spieler variierten zwischen 169 und 204 min-1. Im Mittel lagen sie bei 191 ± 8.16 min-1. Die v4 variierte zwischen 8.3 und 14.9 km/h (Mittel: 12.0 ± 2.04 km/h; (Tab. 2)).

Die maximale Herzfrequenz im HBKT wurde bei 87% (13/15) der Sportler am Ende des Tests erreicht. Die maximale Laktatkonzentration im HBKT wird hingegen in 66% (10/15) der Fälle zu E10 und in 40% (6/15) der Fälle zu E6 erreicht (Mehrfachnennungen möglich).
Lediglich bei einem Spieler war im HBKT von E0 nach E10 ein Abfall der Laktatkonzentration zu beobachten (9.7 / 8.6 / 8.8 / 8.4 mmol/l). Bei einem Spieler kam es fast zu einer Verdreifachung der Laktatkonzentration im Anschluss an den HBKT (4.8 / 9.9 / 12.2 / 12.8 mmol/l).

Interaktionen zwischen LD und HBKT
Während die maximalen Herzfrequenzen in der LD (192 ± 8.67 min-1) signifikant (p<0.001; 2=0.794) höher waren als im HBKT (180 ± 9.23 min-1), verhält es sich bei den maximalen Laktatkonzentrationen genau umgekehrt (LD: 10.1 ± 2.91 mmol/l; HBKT: 12.8 ± 1.99 mmol/l; p<0.001, 2=0.644).
Zwischen den maximalen Herzfrequenzen und Laktatwerten fanden sich sowohl in der LD (r=0.214) als auch im HBKT (r=0.180) keine Zusammenhänge.
Folgende Korrelationen zwischen beiden Tests ließen sich ermitteln:
Tab. 6

Auffällig ist der mittlere Zusammenhang zwischen der maximalen Geschwindigkeit in der LD und der Gesamtzeit im HBKT (r=-0.566). Der Zusammenhang wächst, allerdings nicht linear (Tab. 7), bei Berücksichtigung der technischen Fehler und Wurffehler. Den größten Zusammenhang zwischen beiden Tests generiert eine Strafzeit von 5 s pro Fehler (r=-0.617; Tab. 7).
Tab. 7
Im HBKT wurden maximale Herzfrequenzen von 87.3-100 % (94.0 ± 3.14 %) der Hfmax-LD erreicht.

Diskussion
Die Vorteile einer gut entwickelten Grundlagenausdauer sind vielfältig. Die Erholungsfähigkeit ist erhöht, was bei Spitzenmannschaften besonders unter dem Aspekt der hohen Wettkampfdichte während der Saison notwendig erscheint [11]. Bei gleicher Belastungsintensität ist der Anteil des Fettstoffwechsels erhöht, so dass die Glykogenreserven im submaximalen Belastungsbereich stärker geschont und für die intensivsten Belastungen genutzt werden können [13]. Dadurch ist eine höhere und längere Leistungsfähigkeit gewährleistet, so dass technische und taktische Elemente effektiver und vor allem länger fehlerfrei umgesetzt werden können [9]. Je höher die oxidative Kapazität ist, umso schneller erfolgt zudem die Laktatelimination [1]. Die Übersäuerung des Organismus mit den damit verbundenen negativen Auswirkungen (reduzierte muskuläre Leistungsfähigkeit, verminderte Konzentration, verschlechterte Koordination, möglicherweise sogar erhöhte Verletzungsanfälligkeit etc.), ist vermutlich bei besser ausgebildeter Grundlagenausdauer in den intensiven Belastungsphasen geringer [10]. Belegen lässt sich dies anhand der Befunde dieser Untersuchung. So fanden sich mittlere bis hohe negative Korrelationen zwischen den maximalen Geschwindigkeit in der LD und der Gesamtzahl der technischen Fehler und Wurffehler im HBKT (r=-0.589) sowie der Gesamtzeit im HBKT (r=-0.617).
Daten zur Ausdauerleistungsfähigkeit im Handball liegen in der Literatur kaum vor. Manchado et al. [8] ermittelten bei Handballerinnen der deutschen National- mannschaft eine mittlere maximale Geschwindigkeit von 12.0  1.12 km/h im Feldstufentest. Kuchenbecker und Zieschang [7] geben für Bezirksliga- bzw. Oberligaspielern durchschnittliche Laufgeschwindigkeiten an der 4 mmol Schwelle von ca. 11.9 km/h an. Die Handballer in dieser Untersuchung erzielten fast identische Werte (12.0  2.04 km/h), was auf die Defizite in diesem Bereich hinweist. Bereits acht Spieler (50%) wiesen bei einer Geschwindigkeit von 6,2 km/h (1. Stufe in LD) einen Laktatwert von über 2 mmol/l auf (bei normalen Ruhelaktatwerten). Dies deutet ebenfalls auf eine unzureichende Grundlagenausdauer bzw. auf die Notwendigkeit eines individuellen, herzfrequenzgesteuerten Grundlagenausdauertrainings hin.
Jedoch fand sich, im Unterschied zur Studie von Manchado et al. [8] (r=0.96) keine Beziehung zwischen der v4 und der %Hfmax (r=-0.010). Allerdings ist die Vergleichbarkeit insofern etwas eingeschränkt, als dass in dieser Untersuchung die maximale und nicht die mittlere Herzfrequenz verwendet wurde. Außerdem nutzten Manchado et al. [8] die reale Spielsituation, währenddessen in dieser Studie ein definierter handballspezifischer Test (HBKT) zur Anwendung kam. Bei einem Vergleich von Spitzenspielern der französischen Handballliga mit Langstrecken- läufern und Sprintern lag die aerobe Kapazität der Handballer zwischen beiden Gruppen [11]. Während des Spiels gemessene Laktatkonzentrationen zwischen 4 mmol/l und 9 mmol/l [3, 5] deuten auf eine hohe metabolische Beanspruchung während des Spiels hin. Das diese Werte die Beanspruchungssituation eher unter- denn überschätzen, zeigen die Resultate dieser Untersuchung. Hier bewegten sich die Laktatkonzentrationen im HBKT zwischen 4.8 und 15.6 mmol/l ( 12.8 ± 1.99 mmol/l), wobei diese Werte erst weit nach Testende (E10) erreicht wurden. Die hohen Laktatwerte sind vermutlich das Ergebnis der hochintensiven Schnelligkeits- und Kraftbelastungen (Sprints, Sprünge, Würfe, Dribblings, Seitsteps etc.), wie sie für das Handballspiel typisch sind. Eine hohe physische Leistungsfähigkeit im Handball setzt, wie bei anderen Spielsportarten auch, u.a. die Fähigkeit voraus, wiederholte, kurze, aber hochintensive Belastungen ohne Ermüdung über die Dauer eines Spiels durchführen zu können. Dies erfordert eine schnelle Kreatinphosphat-Resynthese [4]. Bei hochtrainierten Leistungssportlern ist, bei einer Belastungsdauer von 3 bis etwa 8 min und maximal möglicher Intensität, die maximale Laktatkonzentration im Blut frühestens in der 3. spätestens aber in der 5. bis 7. Erholungsminute erreicht [6]. Bezogen auf die Ergebnisse des HBKT, der eine durchschnittliche Belastungsdauer von 3:37 min erforderlich machte, ließen sich die Maxima bei allen Sportlern erst zu E6 (40%) bzw. E10 (66%) finden. Dies deutet bei immerhin 66% der Handballer auf eine unzureichende Laktatelimination hin. Testmethodisch ist darauf hinzuweisen, dass die Erholungsphase im Interesse der Standardisierung sitzend stattfand.
Da sich beim Laufbandtest die physikalische Leistung auf eine größere Muskelmasse verteilt, wodurch die Belastung pro Quadratzentimeter aktiver Muskulatur geringer ausfällt, ließen sich hier, im Vergleich zum HBKT, signifikant niedrigere maximale Laktatkonzentrationen ermitteln (HBKT: 12.8 ± 1.99 mmol/l; LD: 10.1 ± 2.91 mmol/l; p<0.001, 2=0.644). Hinzu kommen beim HBKT lokale, hochintensive Schnellkraft- belastungen (Würfe, Sprünge, Liegestütze).
Der Vergleich mit dem handballspezifischen Ausdauertest (HAT) von Kuchenbecker und Zieschang [7] ist insofern schwierig, als dass dieser Test als submaximaler Test mit definierter Belastungsdauer (15 min) konzipiert war. Zudem enthielt der HAT auch niedrig-intensive Elemente (Traben, Zuspiele am Ort etc.) und wurde paarweise ausgeführt. Die Messungen der Parameter Herzfrequenz und Laktat erfolgte vor (Ruhe), während (4., 8. und 12. Minute) und unmittelbar nach dem Test (15. Minute).
Die Laktatkonzentrationen bewegten sich zwischen 5.2 mmol/l (Oberligist) und 8.0 mmol/l (Bezirksligist), die Herzfrequenzen zwischen 177 min-1 (Oberligist) und 180 min-1 (Bezirksligist), wobei sich nur zwischen den Laktatwerten ein signifikanter Unterschied fand. Vermutlich ist die Herzfrequenz, in Übereinstimmung mit Kuchenbecker und Zieschang [7], weniger sensitiv, um bei definierten Belastungen Leistungsunterschiede sichtbar machen zu können. Eine endgültige Aussage hierzu ist erst nach Testung mehrerer unterschiedlich leistungsstarker Kollektive möglich.

Zusammenfassung & Ausblick
Insgesamt liefern die Testergebnisse ein schlüssiges und aussagekräftiges Bild hinsichtlich der allgemeinen und sportartspezifischen Ausdauerleistungsfähigkeit der einzelnen Spieler. Es zeigte sich, dass im Grundlagenausdauerbereich bei fast allen Spielern noch erhebliches Entwicklungspotential besteht. Dass die Ausdauer- leistungsfähigkeit große Bedeutung für die sportartspezifische Leistungsfähigkeit besitzt, belegen die Korrelationen zwischen beiden Tests. Die drei leistungsfähigsten Spieler der LD belegen folgerichtig auch drei der vier ersten Plätze im HBKT.
Der HBKT ist insofern zu modifizieren, als dass zum Zeitpunkt E 14 ein weiterer Messzeitpunkt (Laktat, Herzfrequenz) einzurichten ist, um den Erholungsprozess besser abbilden zu können. Außerdem sollte jeder technische Fehler bzw. Wurffehler mit einer Strafzeit von 5 s belegt werden. Darüber hinaus kann der HBKT sowohl als Testinstrument als auch als Trainingsmittel eingesetzt werden.
Im Interesse der besseren Einordnung und Interpretation der Daten, wäre der Vergleich mit einer höherklassigen Handballmannschaft sinnvoll und wünschenswert. In diesem Zusammenhang ist der Aufbau einer Referenzdatenbank vorgesehen.

Danksagung
Das Autorenteam bedankt sich beim Hochschulsport der Martin-Luther-Universität in Person von Michael Schreier für die kurzfristige Möglichkeit der Nutzung der Universitätssporthalle (HBKT) sowie beim Team von wesp für die Bereitstellung der Software, einzelner Geräte, der Verbrauchsmaterialien und für die personelle Unterstützung (Frank Braams, Oliver Ihring).

Literatur
1 Billat VL, Sirvent P, Py G, et al. The concept of maximal lactate steady state. Sports Med 2003; 33; 407-426

2 Brings J, Platen P, Hoffmann E. Testverfahren zur Beurteilung der Ausdauer- und Sprintleistungsfähigkeit im Frauenhandball. Leistungssport 1998; 6; 26-31

3 Delamarche P, Gratas A, Beillot J, et al. Extent of lactic anaerobic metabolism in handballers. Int J Sports Med 1987; 8; 55-59

4 Glaister M. Multiple sprint work. Sports Med 2005; 35; 757-777

5 Haralambie G, Eder K. Stoffwechseluntersuchungen bei Handballspielern. Leistungssport 1981; 11; 228-232

6 Hollmann W, Strüder HK, Predel HG, et al. Spiroergometrie. Stuttgart: Schattauer, 2006

7 Kuchenbecker R, Zieschang K. Entwicklung, Überprüfung eines handall- spezifischen Ausdauertests. Handballtraining 1998; 6; 47-51

8 Manchado C, Hoffmann E, Valdivielso FN, et al. Beanspruchungsprofil im Frauenhandball – Belastungsdauer und Herzfrequenzverhalten bei Spielen der Nationalmannschaft. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2007; 58; 368-373

9 Mellwig KP, Fruend A, van Buuren F, et al. Entwicklung der maximalen Sauerstoffaufnahme bei den Spielern der deutschen Männer-Handball-Nationalmannschaft. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2009; 60; 4-6

10 Platen P. Die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit im Verlauf einer Saison. Handballtraining 1989; 1; 13-14

11 Rannou F, Prioux J, Zouhal H, et al. Physiological profile of handball players. J Sports Med Phys Fitness 2001; 41; 349-353

12 Ronglan LT, Raastad T, Borgesen A. Neuromuscular fatigue and recovery in elite female handball players. Scand J Med Sci Sports 2006; 16; 267-273

13 Tumilty D. Physiological characteristics of elite soccer players. Sports Med 1993; 16; 80-96